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Entlastung für Schulleiter lässt weiter auf sich warten
WERNECK „Schulleiterinnen und Schulleiter im Umbruch und im Aufbruch“ - unter diesem Motto stand der
6. Unterfränkische Schulleitertag, zu dem der ULLV (Unterfränkischer Lehrer- und Lehrerinnenverband) in die Balthasar-Neumann-Hauptschule Werneck eingeladen hatte.
„Es ist die gleiche Situation wie vor zwei Jahren, die Belastungen der Schulleiter haben nicht abgenommen“, betonte ULLV-Fachgruppenleiter Andreas Sauer in seinem Grußwort. Als Beispiele nannte er unter dem Beifall der Besucher steigenden bürokratischen Kleinkram und nicht funktionierende Statistikprogramme. Alle zusätzlichen Leistungen der Schulleiter gebe es zum Nulltarif. Dies schlage sich auch darin nieder, dass sich kaum noch Leute fänden, die die freien Schulleiterstellen besetzen. „Es rumort an den Volksschulen“, stellte er fest. Die Schulleiter bräuchten keine Halbherzigkeiten, sondern Fakten in Form tatsächlicher Entlastung.
Das Bild des Schulleiters habe sich gewandelt. Er ist nicht mehr der Superlehrer, der nebenbei eine Schule führt. „Schulleiter sind pädagogische Manager mit hoher Verantwortung“, erklärte Sauer. „Wir brauchen mehr Zeit für unsere Aufgaben.“ Er forderte feste Leitungs- und Verwaltungszeit. Seine Unterrichtszeit solle ein Schulleiter flexibel handhaben können. Klassenführungen solle für einen Schulleiter tabu sein. „Was in anderen europäischen Ländern Gang und Gebe ist, warum geht das nicht bei uns?“ fragte er.
Mit dem Amoklauf in Emsdetten stieg Hauptreferent Otto Herz, Mitbegründer der Bielefelder Laborschule. Er fragte, wie könne es möglich sein, dass jemand an der Schule den Tod sucht. Dann spannte Herz den Bogen zu den Faktoren, die eine gute Schule ausmachen. „Der Erwerb von intelligentem Wissen und Zufriedenheit bestimmen unsere Bildungsstätten“, erklärte Herz. Wichtig für die Schüler sei, Selbstvertrauen zu entwickeln. Denn wer kein Vertrauen zu sich hat, könne kein Vertrauen zu anderen entwickeln.
„Für eine gute Schule ist eine hohe Maß an Eigenverantwortung notwendig“, betonte er. Dazu komme eine Verantwortungsgemeinschaft von Kinder und Jugendlichen, Eltern, Partner in der Freizeit und professionellen Pädagogen. „Das müssen die Menschen vor Ort wollen“, hob Herz hervor. Dazu kämen gute Schulleiter, die ihr Kollegium führen und unterstützen. Als Programm einer guten Schule nannte er die Ziele der Agenda 21. Darin seien die Ziele festgeschrieben, die die jetzigen Schüler in ihrem Leben im 21. Jahrhundert betreffen.
Weiter erklärte Herz, dass die Aufgabe eines Schulleiters die Schulführung und nicht die Klassenführung ist. Den Schülern könne im Rahmen wöchentlicher Vollversammlungen vermittelt werden, dass er ganz wichtig ist in der Gemeinschaft. „Ich werde gebraucht“ – diese Erfahrung könne in Form von Projektverantwortung vermittelt werden. Weiter forderte er, dass jede Schule jährlich einen Preis für Zivilcourage an Schülern verleihen soll. Nur so werde demokratisches Verhalten gefördert.
Bei der anschließenden Forumsrunde, kurzweilig geleitet von Otto Herz, forderte BLLV-Landesfachgruppenleiter Engelbert Schmid feste Verwaltungs- und Leitungszeiten für die Schulleiter und eine Entlastung von der Unterrichtsverpflichtung. Dass Schulleiter besonders belastet sind, verstand MdL Berthold Rüth (CSU). „Wir arbeiten an einer Lösung“, sagte er und verwies auf eine Zuteilung von mehr Verwaltungsangestellten. Das Kultusministerium habe die Aufgabenmehrung der Schulleiter bestätigt, so Franz Portscher, Leiter der Schulabteilung an der Regierung von Unterfranken. Er sei zuversichtlich, dass hier etwas geschehe.
„Papier ist geduldig“, konterte MdL Simone Tolle (B90/Grüne). An den Volksschulen seien 1066 Stellen gestrichen worden. Durch diese hätte es eine kostenneutrale Verbesserung an den Volksschulen und für deren Entlastung geben können. „Die CSU versucht an den Symptomen zu kurieren“, stellte MdL Karin Pranghofer fest. „Wir wollen eine Bildungsreform mit einer guten Schule, an der die Schulleiter besser positioniert sind.“
„Diese Veranstaltung gibt Mut, weiter für eine bessere Schule in Unterfranken zu kämpfen“, schloss ULLV-Vorsitzender Gerhard Bleß die Runde. Musikalisch umrahmt haben die Veranstaltung die Schulband „Dragonfire“ der Balthasar-Neumann-Hauptschule Werneck und die Musikgruppe der achten Klassen unter der Leitung von Heidi Meyer. Die Bewirtung der Gäste hatten die Hauswirtschaftslehrerinnen der Gast gebenden Schule und die Klasse 10 M übernommen.
TEXT UND ALLE FOTOS: HORST FRÖHLING |